Kentucky: Martin B.

Am 23.August ging es für mich auf eine lange Reise nach Amerika. Mein Ziel war ein kleiner Ort im Herzen des Bundesstaats Kentucky und die dortige Universität, die ich mir aus einem breiten Angebot von Go Campus ausgewählt hatte. Nach etlichen Stunden Flug und einem Zwischenaufenthalt in North Carolina kam ich am Abend am Flughafen an, wo der Treffpunkt mit meiner amerikanischen Kontaktperson von der Uni vereinbart war.

Da ich bereits ca. 2 Stunden davor ankam und mein Gepäck im kleinen Airport schnell gefunden war, nahm ich im Aufenthaltsbereich Patz, wo bereits auch einige andere Internationals warteten. Schon nach wenigen Momenten kam ich mit den anderen Jungen ins Gespräch. Alle der fünf anderen waren sehr nett und sympathisch. Ich war sehr erleichtert bereits nach so kurzer Zeit neue Freunde gefunden zu haben.

Nachdem wir mit dem vom College gestellten Shuttle Service an der Uni ankamen, teilte uns die Fahrerin mit, dass die Dormitories leider derzeit überfüllt sind, und wir deshalb in einem nahe gelegenen Hotel kostenlos untergebracht werden. Dort lernten wir und weitere Internationals uns besser kennen. Es war interessant, Menschen von verschiedensten Orten zu treffen, so wohnten auch andere Deutsche, Koreaner, Japaner, Venezuelaner, Kolumbianer, Brasilianer, Franzosen und viele weitere Nationalitäten im Hotel. Der Umstand in dem ca. 2 km vom Campus entfernten Hotel zu wohnen entpuppte sich also als Glücksfall, da man leichter ins Gespräch kam, wenn wir gemeinsam mit den Shuttle Bussen hin- und herpendelten.

Nach 2 Wochen zog ich zunächst in ein nobleres Dormitory, in dem ich ebenfalls ohne Zusatzkosten, aber nur 10 weitere Tage wohnte. Wi-Fi und ein Bad, das ich mir mit meinem neuen Room Mate teilte und eine Küche, die ich mir mit den anderen 5 Hausbewohnern teilen konnte, waren schon sehr luxuriös im Vergleich zu dem endgültigen Dorm, in dem ich jetzt lebe. Das Zimmer ist recht klein und etwas abgewohnt, z.B. ist das Fenster etwas undicht und es gibt nur eine Steckdose für ein Internetkabel, obwohl wir zu zweit sind. Ca. 20 Studenten teilen sich ein Bad mit je 3 WC's und Duschen, die auch etwas abgebraucht erscheinen. Zu meiner eigenen Überraschung machten mir diese Umstände bisher jedoch eher wenig aus. Mein Room Mate in meinen ersten Semester ist ein Amerikaner aus dem Football-Team und absolut in Ordnung, so kann ich seine Geräte (z.B. Kühlschrank) benutzen.

Positiv sind die Bemühungen des so genannten Center for International Education zu erwähnen, die sich ausschließlich um die vielen Austauschstudenten kümmern. Kleine und größere Fahrten wie beispielsweise im Herbst nach Chicago sind bemerkenswert. Dies half mir auch, viele weitere Freundschaften zu schließen. Auch insgesamt waren in den ersten beiden Wochen viele 'Welcome Events' am Campus geboten.

Als einzig gewöhnungsbedürftig für uns Europäer kann man die sehr konservativen Ansichten der University und der meisten amerikanischen Studenten erwähnen, die auf dem strengen baptistischen Glauben beruhen. Es wird kaum eine Gelegenheit ausgelassen, dies zu verbreiten. So muss jeder Freshman neben seinen ca. 5 regulären Kursen, auch eine sog. 'First Class' belegen. Diese trifft sich einmal die Woche in einer kleinen Gruppe (ca. 20 Schüler) und einmal in einer großen Gruppe (alle Freshmen) in der Kirche der Uni. Dort werden christliche Themen aus der Bibel besprochen und innerhalb von 50 min. durchschnittlich 5 mal gebetet. Dass dies genauso wie ein weiterer Gottesdienst (ebenfalls 1x/Woche) verpflichtend ist, egal, welcher Konfession man angehört, ist für mich genauso wie für die meisten anderen Ausländer gewöhnungsbedürftig. Trotz allem, bin ich in an meiner Uni glücklich und dankbar und glaube für mein weiteres Leben viel gelernt zu haben.